Inhalt:
USA im Jahre 1967: Der Uniprofessor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist ein angesehenes Mitglied seiner jüdischen Gemeinde, die in einem kleinen bürgerlichen Vorort steckt. Doch irgendwie Gerät alles in seinem einst so idylischen Leben außer Kontrolle: Seine Kinder haben nur Unsinn im Kopf, seine Frau Judith (Sari Lennick) will sich aus heiterem Himmel scheiden lassen und sein psychisch labiler Bruder Arthur (Ricahrd Kind) benötigt eigentlich dauernd einen Aufpasser. Zu allem Überfluss bekommt er auch noch Probleme im Berufsleben, als ihn einer seiner Studenten bestechen will. Fast zeitgleich erhält sein Chef zudem Briefe von einem Unbekannten, in welchen Larry ungerechtfertigterweise verleumdet wird. In seiner Verzweiflung hält er sich fest an seinen Glauben und hofft, Antworten bei seinem Rabbi zu finden…
Hintergrund:
Die Coen Brüder haben, nach eigener Aussage, in diesem Film ihre eigene Kindheit, die sie ebenso in einer Vorstadt, im mittleren Westen der USA, verbrachten, verarbeitet.
Der Stoff zu A Serious Man entstammt einer Kurzfilm-Idee der Coens. Ursprünglich sollte es nur um die Bar Mitzwa von Larrys Sohn Danny gehen. Die kleinen Geschichten die dabei rund um das Hauptgeschehen handeln sollten, wurden allerdings soweit gesponnen, dass sich die Regisseure dafür entschieden, einen abendfüllenden Spielfilm zu drehen.
Kritik:
Was soll man von einem Film erwarten, der fast ausschließlich damit beworben wird, dass ihn die Coen Brüder gemacht haben? Im Trailer wird dem Auflisten ihrer vorherigen Meisterleistungen ungewöhnlich viel Zeit gewidmet und die Handlung lässt sich höchstens erahnen. Bei so vielen Awards, die die Coens schon entgegennehemen durften ist diese selbstbewusste, fast schon arrogante Art ihren neuesten Streich zu präsentieren jedoch annehmbar.
Die Story des Losers, dessen Leben außer Fugen gerät, ist nicht die originellste und zum
Teil auch sicherlich vorhersehbar. Doch die Haupthandlung scheint in diesem Film sowieso nicht die Hauptsache zu sein. Es sind vielmehr die ungewöhnlichen Nebenhandlungen, die das eigentliche Geschehen nicht immer beeinflussen und manchmal auch einfach verpuffen, so als wollen die Coen Brüder den Zuschauern mitteilen, dass nicht alles im Leben einen Sinn machen kann, oder muss. Hierdurch identifiziert sich das Publikum auch indirekt mit dem Protagonisten.
Denn Larry Gopnik versteht nämlich auch nicht mehr was eigentlich in seinem Leben vorgeht. Er kann es sich weder von der rationalen Seite, die ihm als Physik-Professor sowieso am nähesten sein sollte, noch von der spirituellen Seite erklären. Als Glaubensmensch, der in seinem Leben immer versucht hat alles richtig zu machen, krallt er sich regelrecht an seine Religion, um Antworten zu finden – allerdings vergebens. Durch diese, für den Zuschauer sehr humorvolle, Auseinandersetzung mit dem jüdischen Glauben, üben die Filmemacher auch intelligente Religionskritik aus. Auch sonst konzentriert sich der Film oft auf das Aufzeigen der jüdischen Kultur, die inmitten der vermeintlichen Vorortidylle stark ausgeprägt ist. Auch wenn der Blick hierauf, oberflächlich betrachtet, liebevoll ausfällt, kommt A Serious Man natürlich nicht ganz ohne Gesellschaftskritik aus. Jedoch ist dieser Aspekt des Films sehr subtil ausgearbeitet und nicht derart explizit ausgedrückt, wie zum Beispiel in Sam Mendes’ Satire American Beauty.
Unterm Strich darf man also eine schwarzhumorige Tragikomödie erwarten, bei der nicht alle Rätsel aufgelöst werden können und vom Publikum eine gewisse gedankliche Teilnahme abverlangt wird.(gs)
Bewertung:









A Serious Man USA, 2009
Genre: Drama / Komödie
Originaltitel: A Serious Man Regie: Joel Coen, Ethan Coen Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen Darsteller: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolff
A Serious Man auf DVD und Blu-Ray bei amazon.de

indy said
Februar 8 2010 @ 22:51
Ja, da kann ich nur zustimmen (http://bit.ly/8Z9jei)!
Finde Deine Review klasse, vor allem auch die Hintergrundinformation zur Entstehungsgeschichte des Films – die war für mich neu.
Toller Film!